Selfmademan und erfolgreicher Rennfahrer

An diesem Wochenende sitzt so mancher Star von einst in den Fahrzeugen – aber auch einige Piloten, die noch gar nicht daran denken, den Helm an den Nagel zu hängen. Zu letzteren gehört Hubert Haupt, der in diesem Jahr zwei runde Jubiläen feiert: Vor 30 Jahren begann er als Kartpilot mit dem Motorsport und zudem hat der ehemalige DTM-Pilot im April seinen 50. Geburtstag gefeiert. Ans Aufhören denkt er aber noch lange nicht – warum auch? Beim 24h-Rennen am Nürburgring stand er mit dem Mercedes-AMG-Team Black Falcon gerade erst als Zweitplatzierter auf dem Podium, beim vergangenen VLN-Lauf wiederholte er den Podiumserfolg. Beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix kehrt er zu seinen motorsportlichen Wurzeln zurück, denn im Rennen der Tourenwagen Classics fährt er den Audi V8 quattro, in dem er als junger Werkspilot der Ingolstädter im Jahr 1991 in der DTM startete. Zusätzlich rollt er im DRM-Revival in einem Porsche 911 Carrera RSR an den Start.

Das DTM-Auto von 1991 gehört mittlerweile seinem ehemaligen Piloten: Haupt verlor den V8 quattro nach seinen beiden Audi-Jahren (1991 bis 1992) zunächst aus dem Blick. Doch „15 Jahre später habe ich ihn in den USA wiedergefunden. Er war seinerzeit dorthin verkauft worden. Als der Besitzer älter wurde und ihn nicht mehr bewegen wollte, hat er ihn mir angeboten.“ Der Münchner schlug natürlich sofort zu und stellte sich das Stück blechgewordener Biographie nach sorgfältiger Restaurierung in die Garage. „Im Vergleich zu einem modernen GT3-Auto ist das eine ganz andere Welt. Aber man gewöhnt sich schnell wieder daran, und es macht auch viel Spaß. Man fühlt dieses Auto ganz anders. Es ist mehr Drift und mehr Lenkradarbeit.“ Auch in den Rennen ging es anders zu. „Damals wurde in den Tourenwagen noch keine Kohlefaser verbaut, da konnte man auch mal engen Kontakt zu den Kollegen haben, ohne dass einem gleich alles um die Ohren flog. Es war eine schöne Zeit mit über 40 Autos am Start.“ Ein ähnlich großes Starterfeld kommt auch bei den Tourenwagen Classics zusammen – wenn auch die Leistungsunterschiede zwischen den verschiedenen historischen Fahrzeugklassen naturgemäß deutlich größer sind. Haupt ist aber dennoch sicher: „Es wird ein ganz spannendes Rennen.“

Vom RSR zum DTM-Quattro zum modernen GT3: Quantensprünge

Noch einmal einen historischen Schritt zurück bedeutet der Start im DRM-Porsche. Haupts Carrera RSR ist von 1974 und „im Vergleich dazu ist der DTM-Quattro schon ein richtiges Rennauto.“ Der 45 Jahre alte GT sei „weicher und auch auf der Bremse und beim Schalten ganz anders“, beschreibt der versierte Rennfahrer. „Der Sprung zum DTM-Auto von 1991 ist schon gewaltig und der Schritt von diesem zu den heutigen GT3s ist noch einmal riesig. Früher konnte man einen Rennwagen nicht 24 Stunden an einem Stück am Limit fahren. Heute muss man das – und es macht den Autos nichts aus.“

RSR – ein Kindheitstraum

Dennoch war der Dreiliter-RSR aus der DRM immer ein Traum für Haupt. „Vor einigen Jahren ist mir dieses Auto gewissermaßen über den Weg gelaufen“, berichtet er. „Wir haben lange gearbeitet, bis er gut funktionierte. Es macht Spaß, ihn zu fahren – und das Fahrzeug hat auch eine schöne Historie mit vielen Renneinsätzen.“ Ursprünglich gehört er Eugen Kiemele, der mit ihm viele deutsche Meisterschaftsläufe absolvierte. Entsprechend respektvoll geht er mit dem Porsche um – wie natürlich alle anderen Piloten im Starterfeld auch. „Auf der Strecke nehmen wir alle aufeinander Rücksicht“, beschreibt er die Umgangsformen. „Da will niemand einem anderen ins Auto fahren. Natürlich sind auch die Leistungsunterschiede im Starterfeld groß – auch was die Rennerfahrung der Piloten angeht. Das muss man berücksichtigen. Aber wenn ich eine freie Runde habe, dann fahre ich den RSR gerne am Limit.“

„Wer Ziele hat, der hat Erfolg“

Den Schritt zum Langstreckensport, dem er noch heute treu ist, kam für Haupt erst einige Jahre nach seiner DTM-Zeit. 1999 war das, als er auf einem Porsche 993 GT2 die 24 Stunden von Daytona gewann. Es folgten ALMS und FIA GT. Gewissermaßen „nebenbei“ verfolgte er aber auch seinen bürgerlichen Beruf. Mit Mitte 20 machte er sich in der Immobilienbranche selbstständig und leitet heute ein ansehnliches Unternehmen mit 80 Mitarbeitern. Auf die Frage ob da die Rennerfahrung hilfreich war, gerät Haupt nur kurz ins Grübeln, bevor er mit „ja“ antwortet. „Als Sportler ist man in der Lage, fokussiert zu arbeiten“, ist er überzeugt. „Sich auf Ziele zu konzentrieren und auf sie hinzuarbeiten – das lernt man im Sport. Und Ziele braucht man, um erfolgreich zu sein.“

© AvD

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