Langer Weg zum Kultobjekt: Porsche 914 feiert Jubiläum

Porsche Classic feiert beim 47. AvD-Oldtimer-Grand-Prix den 50. Geburtstag des 914, der 1969 als erster serienmäßiger Mittelmotorsportwagen aus deutscher Produktion seine Premiere feierte. Der in Zusammenarbeit mit Volkswagen entwickelte Zweisitzer hatte es gerade bei den Porsche-Puristen anfangs nicht leicht: Sie vermissten die klassische Kontur des Elfer, und waren auch mit Details, wie den beiden Kofferräumen an Front und Heck nicht zu überzeugen. Dass der 914 inzwischen längst zu einem begehrten Klassiker wurde, ist nicht zuletzt der Kommunikation von Porsche zu verdanken. Ein Zeitzeuge, der davon aus erster Hand berichten kann, war an diesem Wochenende zu Gast bei Porsche Classic: Georg Ledert arbeitete von 1969 bis 1999 als Werbeleiter der Zuffenhauser. Er berichtet gemeinsam mit dem ebenfalls zum Nürburgring eingeladenen Dieter Landenberger, Leiter Heritage Volkswagen Group, über die damaligen Anstregungen.

Mit dem Debüt des 914 begann zugleich Lederts Werdegang bei Porsche. Er war als junger Mitarbeiter einer Werbeagentur zu Volkswagen-Porsche gewechselt, wo gerade die Markteinführung des 914 in Vorbereitung war. Ledert saß vom ersten Briefing an am Tisch. „Wir überlegten gemeinsam mit der VW-Werbeagentur Doyle Dane Bernbach, wie die Kommunikation aussehen müsste und haben von vornherein gesagt, dass wir 914 und 911 voneinander trennen müssen“, berichtet er. „Es gab also zwei ganz getrennte Werbekonzeptionen. Grafisch und textlich wurde der 914 ganz anders dargestellt. Wir schalteten zum Beispiel eine Anzeige mit dem Slogan „Der VW-Porsche kostet 12.000 Mark und als Coupé einige Handgriffe mehr“. Das war das erste Mal, dass der Preis eines Porsche in der Werbung erwähnt wurde. Darüber wurde zuvor nie gesprochen.“

Schon daran zeigt sich: Die angesprochene Klientel für den neuen Sportwagen war eine ganz andere als beim Elfer. „Wir wollten nicht die 911er-Fahrer zum 914 bekehren, sondern an eine neue Zielgruppe verkaufen.“ Die Vierzylinder-Variante war für einen Sportwagen sehr günstig, aber es gab auch andere gewichtige Argumente: Neu, anders, sicherer – das waren typische Aussagen. Auch die beiden Kofferräume und das Mittelmotokonzept machten den neuen Porsche interessant. „So etwas gab es vorher nicht. Der 914 war etwas völlig neues Konzept“, sagt Ledert, der aus der Bauweise auch ein weiteres Argument ableitete: die Entwicklung aus dem Rennsport heraus. „Alle Porsche-Rennwagen hatten ja einen Mittelmotor“, sagt er. „Das Konzept machte diese Autos auch sicherer und einfacher zu fahren als einen 911er. Das haben wir zwar nicht geschrieben, aber wir hatten es natürlich im Hinterkopf.“ Gemeinsam mit Marktforschern konnte so die Zielgruppe herausgearbeitet werden. „Sie lag weit unterhalb der 911er-Kunden. Es waren Männer zwischen 20 und 40. Die Elfer-Fahrer waren eine etwas ältere und begütertere Klientel, für die die Kampagne viel elitärer und klassischer ausgelegt war. Beim 914er haben wir schon in der Headline das Hauptargument genannt. Zum Beispiel: „Warum der Porsche 914 weder vorne noch hinten einen Motor hat“ – und darunter haben wir ganz klein die Fahrzeugsilhouette in schwarz mit dem Motor in rot abgebildet.“ Immer wurde der 914 „live“ gezeigt – statt Studiobilder zeigte Porsche die Fahrer beim Angeln, beim Sport oder auch beim Beladen der beiden Kofferräume. Als der 914/6 dann in Rennausführung im Motorsport erfolgreich war, griffen die Werbeexperten auch dies sofort auf: „Wir haben das umgehend in Postern und in der Werbung thematisiert.“ In einem Motiv der damaligen Zeit steht ein 100 PS starker 914 neben einem CanAm-Porsche. Slogan: „Der neue VW-Porsche. Jetzt beträgt der Unterschied nur noch 750 PS.“ Auch als dann Ende 1972 die Verkäufe die 100.000er-Marke knackten, wurde das prompt aufgegriffen und der 914 als nun weltweit meistverkaufter Sportwagen beworben. Schon das zeigt: Der 914 hatte die anfängliche Skepsis längst überwunden und war zu einem Renner geworden. Ganz im eigentlichen Wortsinne. Heute ist der ehemalige „Underdog“ eine Stilikone und gesuchter Klassiker.

Auch in der Volkswagen-Historie nimmt der 914 eine wichtige Rolle ein. „Das Fahrzeug war ein wenig aus der Not geboren, denn sowohl Porsche als auch Volkswagen brauchten damals händeringend ein neues Modell“ bestätigt Dieter Landenberger. „Bei VW hatte man auf den Käfer und den Bulli gesetzt, die mit ihren luftgekühlten Motoren bereits als veraltet galten. Und Porsche benötigte ein Modell unterhalb des 911, der zu diesem Zeitpunkt schon sieben Jahre auf dem Markt war.“ So vereinbarten Ferry Porsche und Heinrich Nordhoff, dass Porsche als gemeinsames Projekt den 914 entwickelt. Dann verstarb aber Nordhoff überraschend, und sein Nachfolger Kurt Lotz wollte den Sportwagen nun ausschließlich als VW auf den Markt bringen – sogar mit einem eigenen Sechszylinder von Volkswagen. Lange Verhandlungen waren nötig um den Kompromiss zu finden: Der 914er wurde in Deutschland als VW-Porsche auf den Markt gebracht und war wahlweise mit einem VW-Vierzylinder oder einem Porsche-Sechszylinder erhältlich. Mit rund 12.000 Mark war vor allem der Vierzylinder sehr günstig und wurde mit 118.000 verkauften Einheiten zum Bestseller. Der Sechszylinder dagegen war aber nur 2000 Mark preiswerter als der 911T, so dass von ihm letztlich nur 2.000 Einheiten gefertigt wurden.

© AvD

Kollektion 2019

Sichern Sie sich jetzt die Kollektion zum 47. AvD Oldtimer Grand Prix 2019!

Zum Shop