In bester Rivalität wiedervereint

Der Ford „Turbo-Capri“ im Gruppe-5-Trim ist eine Legende: Das Kraftpaket setzte in der ehemaligen DRM Meilensteine: 1981 krönte Klaus Ludwig die mehrjährige Entwicklungsarbeit des Zakspeed-Teams mit dem Titel des Deutschen Rennsportmeisters. Die kurze Gruppe-5-Blütezeit blieb deshalb bei den Fans unvergessen – und der Capri in den Herzen. Nachdem der Berliner Mücke-Rennstall schon einige Jahre den legendären Ludwig-Capri einsetzt, dürfen sich die Tourenwagen-Enthusiasten nun doppelt freuen: Beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix kehrt der zweite rennfertige Capri auf die Strecke zurück. Eingesetzt wird das ehemalige Einsatzfahrzeug von Harald Ertl im Feld der Tourenwagen Classics von Rüddel Racing – einem Team mit langjähriger Erfahrung mit historischen Ford-Modellen.

600 PS Leistung bei 800 kg Leergewicht: Der „Turbo-Capri“ ist ein Kraftpaket mit erstaunlicher Performance. In ihm wird das Rennsport-Know-how der späten 70er mit konsequenter Aerodynamik und Leichtbau gepaart. Für Mike Stursberg, der sich als Fahrer den „frisch renovierten“ Ertl-Capri mit Heinz Schmersal teilt, war es gewissermaßen Liebe auf den ersten Blick: „Nach dem ersten Test in Zolder habe ich Klaus Ludwig angerufen und ihm gesagt: »Ihr wart ja damals total verrückt«“, grinst der Wermelskirchener. „Das muss schon eine brutale Zeit gewesen sein. Es ist eine richtige Ehre, dieses Auto zu fahren.“ Auch wenn nach diesem ersten Test noch Einzelheiten auszusortieren waren, hatte er schon ein rundes Bild vom Fahrgefühl: „Das Fahrgefühl ist zwar mit der eines modernen Rennwagens vergleichbar, aber dazu muss man sehr viel mehr arbeiten als heutzutage", sagt er. „Lenkrad, Bremspedaldruck, Hitze – alles ist viel härter als heute. Als ich in Zolder nach dem Test aus dem Auto gestiegen bin, war ich richtig k. o.“ Die überragende Performance kann auch ein anderer Capri-Pilot bestätigen: Peter Mücke. Der erfahrene Teamchef mit vielen Einsätzen in DTM-, GT- und Formelrennen schildert: „Wenn man sich überlegt, dass wir ein Auto von 1980 fahren und dass viele Ingenieure seitdem an der Motorsport-Entwicklung gearbeitet haben, kommt man ins Staunen. Wir fahren hier gegen DTM-Autos von 2006 und sind nicht chancenlos – also wenn mir in meiner Zeit als DTM-Teamchef jemand gesagt hätte, dass ein DRM-Capri gegenüber diesen Fahrzeugen konkurrenzfähig ist, hätte ich ihm einen Drogentest empfohlen.“

Rüddel-Capri: endlich zurück auf der Strecke

Dass Mücke nun nicht mehr den einzigen rennfertigen Turbo-Capri sein eigen nennt, ist nicht zuletzt ein Verdienst von Teamchef Robert Rüddel. Nach vielen historischen Einsätzen hatte er die Chance, seinen Stall mit dem Capri zu erweitern. „Wir wussten dass das Fahrzeug in Speyer im Museum stand und waren eineinhalb Jahre in Verhandlungen mit den Eigentümern, bevor wir den Capri 2018 erwerben konnten“, schildert er. „Danach gab es viel Arbeit für uns, denn das Auto war damals für den Bergrennsport umgerüstet worden. Wir haben das auf die originale Gruppe-5-Spezifikation zurückgebaut." Dabei half ihm, dass das Team mit Ford-BDA-Motoren, die auch beim Capri die Basis des Antriebsaggregats stellen, Erfahrung hat. Schon Rüddels Vater fuhr in den 70ern auf dem Escort Rennen, und das Team setzte auch bislang auf das traditionsreiche Modell. „Aber auch wenn wir uns mit den BDA-Motoren auskennen, haben wir viel Neuland betreten müssen“, blickt der Teamchef zurück. Als hilfreich erwies sich, dass es bei Zakspeed nach wie vor Know-how und Teile gab. So kamen etwa ein neues Fahrgestell und Bodyparts aus Niederzissen.

Nach dem ersten Test ist der AvD-Oldtimer-Grand-Prix der erste Renneinsatz. „Wir sind noch in der Testphase“, beschwichtigt Mike Stursberg deshalb. „Unser erstes Ziel ist es anzukommen. Beim Vergleich mit dem Mücke-Capri können wir vermutlich noch nicht mithalten. Dazu fehlen noch Erfahrung und vermutlich auch etwas Leistung.“ Dennoch freuen sich auch die Markenkollegen über den Zuwachs: „Natürlich ist der zweite Capri auf der Strecke bereichernd“, sagt Peter Mücke. „Ohne Konkurrenz würde das Fahren schließlich keinen Spaß machen.“ Allerdings kommt beim erfahrenen Rennfahrer und Teamchef aus Berlin auch der echte Racer durch, wenn er verschmitzt sagt: „Konkurrenz ist natürlich jeder, der auf der Strecke um einen herumfährt.“

© AvD / Gruppe C

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