Ickx: „Der Nürburgring war wie ein Aerodrom“

Aus der schon beeindruckenden Reihe illustrer Gäste beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix ragt einer heraus, der hier Geschichte lebendig werden lässt: Jacky Ickx (75) trug sich am Nürburgring immer wieder in die Siegerlisten ein – unter anderem in der Formel 1 und im Sportwagen. Obendrein fährt er beim Lauf der Formel-1-Legenden ein Fahrzeug, mit dem er hier einen herausragenden Triumph seiner Karriere feierte: 1972 gewann er im Ferrari 312 B3 seinen achten (und letzten) Grand Prix – und düpierte dabei die versammelte Konkurrenz, als er die Pole Position, einen Start-Ziel-Sieg und die schnellste Rennrunde notieren ließ.

Nicht nur dieser Sieg begründete ein spezielles Verhältnis zwischen Rennstrecke und Fahrer. „Ich habe viele Erinnerungen an den Nürburgring – darunter auch einige sehr spezielle“, lächelt der Belgier vielsagend. Den Grundstein für seinen Ruf als Nordschleifen-Spezialist legte er bereits in jungen Jahren, als er mit gerade mal Anfang 20 gleich zwei Mal am ebenso legendären wie gefürchteten Marathon de la Route teilnahm. „Ein Rennen über 86 Stunden nonstop! Ich habe die Fahrt am Tag übernommen, mein Co-Pilot die Nacht: immer 14 Stunden lang“, schildert Ickx seine Teilnahme am Nachfolger der legendären Rallye Liege – Rom – Liege der 50er Jahre. Im Cortina Lotus und im Ford Mustang ging es auf die Reise – einmal auch mit dem späteren Ford- und BMW-Motorsportmanager Jochen Neerpasch als Teamkollegen. Klar, dass man als Teilnehmer die Strecke anschließend wie aus dem Effeff kannte.

Als Ickx im Jahr seines zweiten Marathons in die Eifel zurückkehrte, musste er sich jedenfalls nicht mehr an die Nordschleife gewöhnen. „Ich bin damals in der Formel 2 gefahren, die seinerzeit zum Auffüllen der teilnehmerschwachen Formel 1 mit in das Starterfeld aufgenommen worden war. So kam ich hier zu meinem ersten Grand-Prix-Einsatz im Matra MS6-Cosworth. In diesen Jahren bin ich hier aber auch beim 1000km-Rennen gefahren. Es war damals ganz normal, dass Fahrer die Erlaubnis hatten, in unterschiedlichen Serien und Teams anzutreten.“ In späteren Jahren und mit konkurrenzfähigem Material bestätigte er dann, was er im Sportwagen längst unter Beweis gestellt hatte: Der Belgier kam mit diesem speziellen Kurs bestens zurecht. 1969 gewann er auf dem Nürburgring schließlich im Brabham-Ford den Grand Prix. Und dann war da natürlich 1972. Für Ickx ein glattes Rennen und ein überragender Triumph vor dem Teamkollegen Clay Regazzoni und March-Ford-Pilot Ronnie Peterson. Wie überlegen Ickx war, dokumentierte die Zeitmessung eindrucksvoll: Im Rennen unterbot der die bis dahin geltende schnellste Rundenzeit um sieben Sekunden, im Training waren es sogar 12!

Nun kehrt die belgische Rennsport-Ikone also in das Cockpit seines Siegfahrzeugs von 1972 zurück. „Das Auto ist immer noch in einem tollen Zustand“, schwärmt er über den Ferrari 312 B3, „aber inzwischen ist es eben auch eine alte Dame. Man muss mit ihr sanft umgehen – auch wenn es eine sehr kraftvolle alte Dame ist.“ Kaum vorstellbar, was sich die Piloten von damals mit diesen Autos trauten. Ickx beschreibt es so: „Dem Nürburgring eilte immer der Ruf voraus, die längste und schwierigste Rennstrecke der Welt zu sein. Und wenn wir über die Nordschleife reden, dann ist das auch heute noch so – auch wenn die Strecke gerade in Sachen Sicherheit immer weiter verbessert wurde. Wer Rennsport liebt, der muss hier auch einmal gefahren sein. In meiner frühen Formel-1-Zeit war der Ring nicht bloß eine Rennstrecke – er hatte teilweise den Charakter eines Aerodroms, denn man hob 17 Mal pro Runde ab. Und das mit Autos, die nicht dazu gebaut waren, abzuheben!“

© AvD / Gruppe C

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