Traditionsduell auf Freundschaftsbasis

Kremer-Porsche, Zakspeed-Ford, Gelo-Porsche: Das waren Begriffe, die die Fans in den 70ern elektrisierten. Denn diese Teams (und eine Reihe weiterer, versteht sich) sorgten in der damaligen Deutschen Rennsport-Meisterschaft für spekatkuläre Fights. Zwei dieser Rivalen treffen an diesem Wochenende wieder aufeinander. Das Kölner Rennteam Kremer setzt unter anderem einen Porsche 935 K3 aus dem Jahr 1980 ein. Wolfgang Kaufmann (Molsberg) pilotiert das Dreiliter-Auto im giftigen Jägermeister-Design. Mit einigen Pferde-stärken weniger, aber in der Fahrleistung nicht minder spektakulär hält der Zakspeed-Capri von 1980 dagegen, der inzwischen einem anderen sehr bekannten Rennstall gehört: Mücke Motorsport aus Berlin setzt den Boliden ein, in dem Klaus Ludwig einst einen DRM-Meistertitel einfuhr. Heute greift Teamchef Peter Mücke höchstpersönlich ins Volant, der sonst die Geschicke seines Formel-3- und GT-Rennstalls von der Boxenmauer aus lenkt. Und er spannt zusammen mit Sohn Stefan, der im Hauptberuf als Profipilot bei Ford in der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) arbeitet: Ein Vater-Sohn-Ausflug der ganz besonderen Art.

Die Kategorie C der Gruppe-5-Fahrzeuge im DRM-Revival ist klar in der Hand der Porsche 935. Heute wie früher sticht dabei Kremer Racing hervor: Der Porsche 935 K3, den der Molsberger Wolfgang Kaufmann pilotiert, wird vom Original-Einsatzteam an den Start gebracht, das ihn auch in den 70ern betreute. Bloß die Fahrerbesetzung hat sich geändert: „Ich habe als kleiner Junge schon diese Autos auf dem Nürburgring gesehen, als sie noch von Bob Wollek oder Manfred Schurti gefahren wurden“, strahlt Kaufmann, der den Jägermeister-K3 an diesem Wochenende fährt. „Es ist etwas ganz besonderes, dieses Auto heute selbst zu fahren.“ Der Profirennfahrer hat nicht nur mit dem auffälligen GT reichlich Erfahrung, sondern auch mit modernen Rennwagen. Er kann deshalb fachkundig aus erster Hand berichten: „Das ist schon eine ganz andere Welt. Im Klassik-Auto ist alles was man braucht vorhanden, aber auf das notwendigste reduziert. Man hat viel Leistung, muss aber am Lenkrad richtig arbeiten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man keine Servolenkung und keine Traktionskontrolle hat. Die Bremsanlage ist verhältnismäßig klein und die Aerodynamik noch nicht so ausgefeilt.“ Für die Kraftübertragung ist ein H-geschaltetes Viergang-Getriebe zuständig. „Das ist dann ganz die Alte Schule: Schalten mit Zwischengas, keine Schaltwippe – das macht Spaß.“ Und die Gegner an diesem Wochen¬ende? „Im DRM-Feld sind mehrere 935 am Start, die für mich die Hauptgegner sind, zumal da sehr gute Piloten drin sitzen“, weiß Kaufmann. „Und dann natürlich der Turbo-Capri mit Peter Mücke am Steuer: Ein sehr schnelles Auto – gerade auch mit ihm am Steuer. Bei unserem letzten Duell hier beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix hatte ich zwar am Ende die Nase vorne, aber es war ein harter Fight.“

Profi gegen Amateur – oder nicht?
Tatsächlich hat die Mannschaft aus dem Kölner Norden auch heutzutage wieder mit einem klassischen Gegner zu tun – dem schwarz-roten Ford Capri von 1980, der einst von Zakspeed aufgebaut und eingesetzt wurde. „Der Fight ist authentisch, aber die Vorzeichen sind schon andere“, grinst Teamchef und Fahrer Peter Mücke, der am Volant des Capri Platz nehmen wird. Der Berliner sammelte in seiner Karriere zwar zahllose Siege und Titel – unter anderem elf DDR-Meistertitel und mehrere Auto-Cross-Europameisterschaften – ist aber mittlerweile schon längst nicht mehr aktiv und als Teamchef eher an der Box als im Cockpit daheim. Deshalb sagt er „Wolfgang ist Profi¬rennfahrer und ich Hobbypilot. Er ist sicherlich die Messlatte.“ Überhaupt steht weniger der verbissene Zweikampf an diesem Wochenende im Vordergrund, sondern die Freude am tollen Einsatzgerät: „Es macht Riesenspaß, dieses Auto zu bewegen“, sagt Mücke.

Der Kremer-Porsche: „gezogen wie am Gummiband“
Die Rahmendaten des Zweikampfes sind die gleichen wie vor annähernd vierzig Jahren: „Gegenüber dem Porsche habe ich mit dem Capri einen Gewichtsvorteil, aber der Porsche hat dafür auch locker 350 PS mehr Leistung. Dafür ist meine Aerodynamik hier etwas besser als die des 935 K3. Aber wenn wir am Start stehen und der 935 loslegt, dann denke ich, dass da eine Bombe explodiert: Der zieht davon, wie vom Gummiband gezogen. Diese Leistung kann der Porsche nur nicht über die gesamte Distanz fahren, und da liegt vielleicht meine Chance. Aber wenn er hält, ist er für mich vermutlich nicht zu halten. Das entspricht ja auch den historischen Tatsachen: Porsche waren irgendwann nicht mehr zu schlagen. Viel wichtiger ist aber, dass wir hier Spaß haben und die Autos zeigen.“ Denn für den viel beschäftigten Motorsportmanager ist der Einsatz gemeinsam mit Sohn Stefan beim AvD-Oldtimer vor allem „Erholung pur. Das ist etwas, wo ich mich das ganze Jahr drauf freue.“

Ausstellungsstücke der besonderen Art
Sowohl Kremer als auch das Mücke-Team zeigen beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix übrigens nicht nur die legendären DRM-Fahrzeuge, sondern präsentieren echte „Hingucker“. Bei Kremer handelt es sich um ein Fahrzeug mit Straßenzulassung. Das Team setzt in der VLN einen Porsche 997 K3 ein, der moderne GT-Renntechnik mit der traditionsreichen Gruppe-5-Optik verbindet. Am Nürburgring ist nur der 997 K3R zu sehen, bei dem das „R“ für „Road“ hinzugefügt wurde. Es handelt sich um die Adaption des VLN-Fahrzeuges für die Straße. Der spielte an diesem Wochenende beim AvD-OGP-Trackday am Freitag auf der Nordschleife seine Rennsport-Gene aus. Wolfgang Kaufmann: „Dahinter steckt die Idee, bei Kremer wie in früheren Jahren ein Kundenauto zu bauen. Herausgekommen ist dieser tolle 997 mit der Karosserie eines 935.“

Bei Mücke dagegen ist es ein historisches Fahrzeug, das einen Vorgeschmack auf künftige Einsätze gibt. Es handelt sich um einen Audi 200 TransAm, der in der US-Serie von Hans-Joachim Stuck und Walter Röhrl bewegt wurde. Nach der erfolgreichen Zeit in der Rallye-Weltmeisterschaft bis 1986 ging Audi 1988 auf die Rundstrecke: Es war der erste Einsatz der Marke seit den Tagen der Auto-Union-Silberpfeile in den 30ern. Und es war ein Triumphzug. Während Werkspilot Hurley Haywood die TransAm-Saison als Meister beendete, sammelten die abwechselnd startenden Stuck und Röhrl insgesamt sechs Siege: Und ihr Fahrzeug steht nun bei Mücke Motorsport und wartet darauf, wieder die Rennstrecke unter die Räder zu nehmen. Nach längerer Suche konnte das Team den Audi 200 mit seiner einzigartigen Historie in den Vereinigten Staaten erwerben und ist inzwischen fahrbereit. Das Team plant nun, ihn gründlich zu restaurieren – und vielleicht ist er bereits 2018 beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix zu sehen.

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