Tourenwagen Classics: Das DTM-Klassentreffen

Für die Besucher des AvD-Oldtimer-Grand-Prix ist manchmal kaum zu unterscheiden, für was sie in diesem Rennen mehr schwärmen sollen: Die Fahrzeuge oder die Fahrer. Aber eigentlich geht es dabei auch nicht um „entweder – oder“, sondern um „sowohl – als auch“. Bei der Tourenwagen Classics starten an diesem Wochenende Fahrzeuge aus der wohl populärsten Periode der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM). Sie waren von Anfang der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre ein absoluter Zuschauermagnet und stand für packenden Motorsport, bei dem die Protagonisten zugleich greifbar nahe waren. Im Feld finden sich legendäre BMW M3 aus den späten 1980ern ebenso, wie die mächtigen ITC-Fahrzeuge von Mercedes-AMG und Alfa Romeo, die das Geschehen im Fight um den Rennsieg an der Spitze des Feldes bestimmten. Eine ganze Riege von STW-Fahrzeugen erinnert an die Supertourenwagen-Ära, während der sich eine Tourenwagenklasse etabliert hatte, die international Fuß fassen konnte.

Gelernt ist gelernt

Zur ganz besonderen Atmosphäre im Paddock der Tourenwagen Classics tragen aber die Stars von damals bei, die an diesem Wochenende wieder ins Cockpit steigen. „Hier sind nur nette Leute, wir haben viel Spaß – es ist wie bei einem Klassentreffen“, schwärmt Harald „Nippel“ Grohs (Essen, 74), der sich den BMW M3 E30 von 1987 mit Serienorganisator Ralph Bahr (Wiesbaden) teilt. Und natürlich geht es bei diesem Treffen nicht nur um den sportlichen Vergleich, sondern auch um Erinnerungen an eine großartige Zeit. „Wenn wir damals ins Fahrerlager kamen, musste sich manch einer warm anziehen“, blickt Leopold von Bayern (Berg) lachend zurück. Auch er hat seinen 70. Geburtstag zwar schon hinter sich, aber am Gas geben hindert ihn das nicht. Das bestätigt etwa Christian Menzel (Kelberg), der sich seinen M3 mit Ex-DTM-Pilot Marc Hessel teilt. „Ich mag der jüngste Pilot im Feld aus der „Profi-Riege“ sein. Aber da sollte man sich nicht vertun: Meine Idole von früher, die hier fahren sind alle noch verdammt schnell“, so Menzel. „Was man einmal kann, verlernt man eben nicht.“

„Poldi“ von Bayern: „Wir hatten mehr Spaß“

Sicher: Das Zusammentreffen der ehemaligen DTM-Piloten lädt zum Vergleich zwischen damals und heute ein. „Zwei Dinge scheinen mir da am augenfälligsten“, analysiert Leopold „Poldi“ von Bayern: „Wir hatten offensichtlich mehr Spaß. Und wir hatten mehr Freizeit. Heutige Fahrer sind von früh bis spät mit Journalisten und Ingenieuren beschäftigt, und es ist eigentlich schade, dass diese Leichtigkeit ein wenig verloren gegangen ist. Wir können das Rad der Professionalität natürlich nicht zurückdrehen, aber der DTM heute fehlen ein wenig die Typen.“ Auch Harald Grohs bestätigt: „Wir hatten einfach mehr Zeit.“ Gleichzeitig bedauert er die Kollegen aber auch ein wenig, die heute in den Cockpits sitzen: „Als wir in der DTM fuhren, da waren die Piloten noch nicht so eingebunden – etwa in das ganze Marketing. Heute sind die Fahrer gläsern und müssen in jeder Hinsicht ständig aufpassen: Was man sagt, wo man herumläuft, wie man sich bewegt.“

Menzel: „Zehnmal mehr Spaß als moderne Rennwagen“

Und natürlich waren auch die Fahrzeuge in der DTM der 1980er und 1990er ganz andere. Leopold von Bayern: „Wir hatten in den 80ern Tourenwagen, deren Straßenversion sich jedermann kaufen konnte. Die Identifikation bei den Zuschauern war meiner Meinung nach höher. Heute fahren in der DTM Silhouettenautos mit Formeltechnik unter der Haube.“ Einer, der das ganz genau beurteilen kann ist Christian Menzel, der auch im aktuellen Rennzirkus immer wieder unterwegs ist – etwa im GT3 auf der Nordschleife. „Die Autos von damals sind im Vergleich zu heutigen Rennwagen auf das Wesentliche minimiert“, sagt der Kelberger. „Das sind noch richtige Blechautos mit weniger Power und weniger Abtrieb – dafür mit geradeverzahntem Sechsgang-H-Getriebe, bei dem man beim Schalten sehr aufpassen muss. Kleine Fehler werden sofort bestraft. Trotzdem machen mir diese Autos in Summe zehn Mal mehr Spaß als moderne Rennwagen, denn hier kommt es auf die Grundtugenden des Autofahrens an.“

Sorgfältig gehegte Originalautos

Für das DTM-Revival bei den Tourenwagen Classics engagieren sich die Teams enorm, um authentische Fahrzeuge an den Start zu bringen. Harald Grohs schrieb im M3, den er hier beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix bewegt, Geschichte, als er 1987 den DTM-Auftakt in Zolder gewann und berichtet über das Auto: „Sowohl die Technik als auch das Design sind so weit wie möglich in ihren Originalzustand zurückversetzt. Motor, Getriebe, Fahrwerks-auslegung und selbst die Beklebung stimmen.“ Ähnlich liebevoll und aufwändig wurde der M3 auf die Räder gestellt, den Leopold von Bayern pilotiert. „Ich freue mich riesig, wieder in so einem Auto zu sitzen“, sagt der schnelle Prinz aus dem Freistaat und versichert, mit dem anvertrauten Prachtstück sorgsam umzugehen. „Natürlich! Es wäre ja schade, wenn da etwas drankäme. Beweisen muss ich hier ohnehin niemandem etwas.“

Erinnerungen an damals und heute

Zu den Ex-DTM-Piloten, die bei den Tourenwagen Classics starten gehören neben Leopold von Bayern, Harald Grohs und Christan Menzel auch der erste Meister der Serie, Volker Strycek. Der vielbeschäftige Vollblut-Racer ist am Wochenende übrigens auch in Rennen 5 (Zweisitzige Rennwagen und GT bis 1965) am Start und ist darüber hinaus als AvD-Vizepräsident für Sport und Jugend in die Organisation des Events eingebunden. Zur Gruppe der ehemaligen DTM-Privatiers gehört Volker Schneider, der 1986 in der DTM an den Start ging. Gemeinsam mit Menzel tritt außerdem Marc Hessel an, der im Jahr 1987 als Teil des BMW-Juniorteams eine feste Größe in der DTM war – und damit einer Ära entstammt, in der der junge Menzel seine Liebe zur DTM entdeckte. „Hier fahren die Helden meiner Jugend“, schmunzelt der Kelberger heute. „Das erste Mal habe ich die DTM 1988 hier am Ring live gesehen: im Rahmen des 24h-Rennens auf der Nordschleife. Gewonnen hat damals Armin Hahne im Cosworth-Sierra. Mein Traum war immer, so ein Auto zu besitzen – heute habe ich selbst zwei Straßen-M3 E30 in der Garage stehen und kann hier in einem Team mitfahren, das ein originales Auto von 1988 einsetzt. Ein Riesenspaß!“

© Gruppe C / AvD

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