Spannende Formel-1-Zeitreise am Nürburgring

Allein die Namen, mit denen diese Autos verbunden sind, lassen Motorsportfans vor Ehrfurcht schaudern: Niki Lauda, Jody Scheckter, Jochen Mass oder Nelson Piquet saßen einst in den Cockpits. Teams wie Lotus, Williams, Brabham und McLaren fuhren mit ihnen um Siege. Nur der Motor war stets der gleiche: Der Cosworth DFV, der zwischen 1967 und 1983 die Formel 1 dominierte und der die Grundlage für die FIA Masters Historic Formula One Championship bildet: Nahezu das gesamte Feld setzt das legendäre Aggregat ein und macht eine legendäre Ära hörbar, spürbar und sichtbar, in der die Königsklasse einige ihrer markantesten Entwicklungsschritte machte. Eine Evolution, die hier besonders gut zu beobachten ist: Der Umschwung zu den Rennwagen mit Bodeneffekt, die ab 1979 / 80 aufkamen.

Und es sind natürlich diese moderneren Fahrzeuge, die den Ton an der Spitze des Feldes angeben. Der Brite Nick Padmore holte im Williams FW07/C (dem ersten Williams mit ground effect) am Freitag die Bestzeit im Qualifying und setzte die Pole am Samstag in einen sauberen Rennsieg um. Hinter ihm lag Martin Stretton im Tyrrell 012 – einem Fahrzeug, mit dem der britische Rennstall im Jahr 1983 den Schritt vom Aluminium zum Karbon als Monocoque-Werkstoff machte und damit den Konkurrenten von Lotus und McLaren folgte.

Alexander Furiani: „Man sitzt quasi im Freien“

Auch einige deutsche Piloten haben ihre Nennung für den Kampf der Formel-1-Boliden abgegeben. Der Kölner Alexander Furiani setzt mit seinem Surtees TS20 einen Vertreter der älteren Cosworth-Generation ein. „Er ist ein letzter Vertreter der Autos mit Alu-Monocoques“, beschreibt Furiani. „Sie wurden dann abgelöst von den Ground-Effekt-Autos, bei denen erstmals Karbon zum Einsatz kam.“ Um den Rennsieg kann man mit dem Surtees nicht mitfahren – dafür aber viel Fahrspaß haben. „Hier am Ring ist für mich ein Platz im hinteren Mittelfeld realistisch und das geht auch völlig in Ordnung“, sagt der Pilot, der eigentlich im Tourenwagensport zu Hause ist. Denn mit seinem Team ist er auf Alfa-Romeo-Rennwagen spezialisiert. Den Formel-1-Renner fährt er „aus purem Spaß. So ein Auto zu fahren ist natürlich ein Kindheitstraum – auch wenn mir im Formelsport eigentlich die Praxis fehlt.“ Das Fahrgefühl ist für den Tourenwagenpiloten gewöhnungsbedürftig. „Man sitzt tief und man sitzt quasi im Freien. Das ist schon eine andere Welt. Die Lenkung ist sehr direkt, bei Zweikämpfen auf der Strecke steht man dem Vordermann fast im Getriebe, man steht weniger quer als im Tourenwagen – da gibt es viele feine Unterschiede.“ Im Vergleich zu heutigen Formel-1-Fahrzeugen sind die Vorgänger aus den 1970er und 1980er Jahren gut beherrschbar. Kein Computer ist zum Anlassen notwendig – und theoretisch nicht einmal eine externe Batterie. „Aber die Lichtmaschine ist nicht besonders leistungsstark“, erklärt Furiani, „deshalb unterstützt man den Startvorgang in der Regel durch eine externe Stromquelle.“ Gegenüber den Ground-Effekt-Autos bewegen sich die etwas älteren Fahrzeuge in einer anderen Liga. Auch wenn alle diese Autos als Cosworth-Ära zusammengefasst werden, wurden die Fahrzeuge jedes Jahr doch erheblich schneller. Furiani: „Die Nutzung des Bodeneffekts war ein Quantensprung. Durch die bessere Aerodynamik und die höheren Kurvengeschwindigkeiten gewinnen diese Autos locker drei bis vier Sekunden pro Runde. Deshalb hat Lotus als Erfinder des ground effect 1978 ja auch so überlegen die WM gewonnen.“

Der Motor muckte: Alfa Romeo 182B leider nicht am Start

Im Feld der Cosworth-befeuerten Formelrennwagen wollte Ex-DTM-Pilot Frank Stippler an diesem Wochenende eigentlich einen Akzent setzen. Er hatte eine Nennung für den Alfa Romeo 182B abgegeben, der einst von Andrea de Cesaris pilotiert wurde. Doch zu Beginn des Rennwochenendes musste sein Team einsehen, dass ein Einsatz zu riskant wäre. „Das Auto ist so spät fertig geworden, dass wir erst am Donnerstag einen ersten Rollout absolvieren konnten“, erläutert Stippler. „Dabei stellte das Team eine kleine Undichtigkeit an der Kopfdichtung fest. Um nichts zu riskieren mussten wir die Nennung leider zurückziehen. Schade, ich hatte mich sehr darauf gefreut, hier anzutreten und den tollen Sound des Zwölfzylindermotors über den Nürburgring zu trompeten. Aber Aufgeschoben ist nicht Aufgehoben: Wir werden bei einem anderen Lauf der historischen Formel 1 antreten und sind dann hoffentlich im kommenden Jahr hier beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix am Start.“

Formel-1-Experte Danner: „Es hat sich eigentlich nichts geändert“

Die Erinnerung an die Zeit von Niki Lauda und Co. lädt dazu ein, über die Entwicklungs¬linien in der Königsklasse (und im Motorsport generell) zu diskutieren. Und nicht wenige empfinden die Technik der Königsklasse als zu kompliziert und die heutigen Piloten als geradezu stromlinienförmig gegenüber ihren Vorgängern. Eine Meinung, der ein bekannter Experte widerspricht: Christian Danner, von 1985 bis 1989 selbst im Formel-1-Auto unterwegs, hat heute praktisch jede Woche als Experte von TV-Sender RTL mit der aktuellen Formel 1 zu tun. Er sagt: „Eigentlich ist doch überhaupt nichts anders geworden. Ein Formel-1-Auto besteht auch heute noch aus Chassis, einem Motor, einem Getriebe. Vorne und hinten sind Flügel – und das ist alles. Natürlich: Alles auf einer anderen technologischen Stufe. Aber diese Autos gehorchen auch heute denselben physikalischen Grundgesetzen, denen sie auch in den 1970ern und 1980ern folgten.“ Natürlich sieht der gebürtige Münchener die Unterschiede: „Heute sind die Autos aerodynamisch vorteilhafter, sie sind steifer und sicherer. Aber im Prinzip ist es immer das gleiche geblieben: Da sind vier Räder und dazwischen sitzt einer und fährt.“ Und auch die heutigen Piloten nimmt Danner in Schutz: „Die sind aus dem selben Holz geschnitzt, wie wir es in meiner Fahrergeneration waren. Die Zeiten und das Umfeld haben sich natürlich geändert. Damals wie heute sitzen und saßen aber echte Typen im Cockpit. Sie sind heute eben zeitgemäß. Vermutlich hat schon Juan-Manuel Fangio über Jacky Stewart gesagt, dass er eine Lusche ist – und die alten Piloten sagen vielleicht ähnliches über die aktuelle Fahrergeneration. Aber die Grundeigenschaften eines guten Rennfahrers haben sich doch in Wahrheit nie geändert.“

© Gruppe C / AvD

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