Historische Schmuckstücke im „Nürburgring-Schatzkästchen“

Dass das älteste Fahrzeug des Wochenendes sogar auf eine längere Historie als der traditionsreiche Nürburgring zurückblicken kann, das ist selbst beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix ungewöhnlich. Doch der 1920 gebaute Protos, mit dem Roland Engel (Lollar, Startnummer #18) in der Vintage Sports Car Trophy antritt, toppt die 1927 eingeweihte Eifelstrecke locker. Aber natürlich passt der Rennwagen aus Berlin damit bestens in das Bild des historischen Paddocks, wo die ältesten Fahrzeuge des Wochenendes unter¬gebracht sind. Gut drei Dutzend Vorkriegsrennwagen treffen sich hier, die jeder für sich schon ein kleines Geschichtsbuch füllen könnten. Und auch die Fahrer haben einiges zu erzählen. Schließlich zählen einige von ihnen zu den „dienstältesten“ Teilnehmern des gesamten Wochenendes.

Riley, Delage, Frazer Nash: Im Historischen Fahrerlager kann man so mancher Automobilmarke begegnen, die längst in Vergessenheit geraten ist. So fährt etwa das Belgische Duo Christian de Mayer / Cyrille Pastorek, die die Vintage Sports Car Trophy im vergangenen Jahr gewannen, einen kleinen Rosengart RL 2 Sport. Das Gefährt von 1928 hat gerade einmal 700 Kubikzentimeter Hubraum und wurde in Frankreich hergestellt. Klein und wirtschaftlich – das war kennzeichnend für die Fahrzeuge, die zwischen 1928 und 1955 aus dem Werk in Neuilly-sur-Seine rollten.

Das ältestes Fahrzeug des Wochenendes – eine Rarität

Unter den (aus heutiger Sicht) zum Teil exotischen Marken im Feld der Vorkriegsautos sticht aber der Protos hervor, der mit Baujahr 1920 auch der älteste Rennwagen des gesamten Wochenendes ist. Das Unternehmen baute ab 1898 im (heute zu Berlin gehörenden) Schöneberg Fahrzeuge und existierte bis 1928. Haben die Autos der Marke insgesamt schon den Status einer absoluten Rarität, so ist der Rennwagen, der beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix startet, sogar der einzige bekannte seiner Art. Obendrein verkörpert er ein Stück Deutsch-Deutsche Geschichte. „Der Motor gehört zu den Teilen, die nicht mehr Original sind“, erklärt Fahrer Roland Engel. „Angetrieben wird er von einem Sechszylinder-Lkw-Motor aus den frühen 50er-Jahren. Warum dieses Aggregat eingebaut wurde, das weiß niemand. Der Protos wurde 1993 in Brandenburg so gefunden.“ Abgesehen davon ist das Fahrzeug aber in vielerlei Hinsicht im Originalzustand. „Gut 85 Prozent des heutigen Zustands stammen vom ursprünglichen Fahrzeug“, so Engel. Am Nürburgring ist der betagte Rennwagen zum ersten Mal im Einsatz, und die Gleich¬mäßigkeitsprüfung ist eine echte Herausforderung für die archaische Technik. So berichtet Engel, dass der 20er-Jahre-Rennwagen nur auf den Hinterrädern verzögert wird, „und wenn die Bremse warm wird, dann lässt die Wirkung deutlich nach. Ansonsten ist er mit seinem langen Radstand und der gut ansprechende Lenkung aber wirklich entspannt zu fahren.“

Fahrer der ersten Stunde – die Gründerväter des AvD-Oldtimer-Grand-Prix

Als der AvD-Oldtimer-Grand-Prix in den 70er-Jahren als kleines Treffen enthusiastischer Oldtimer-Besitzer seine Anfänge nahm, waren manche der Klassiker noch gar nicht gebaut, die an diesem am Nürburgring Wochenende starten. Andere Rennwagen waren ein feiner Zeitvertreib für sportliche Fahrer. Aus dieser Zeit können die Teilnehmer berichten, die von Beginn an dabei waren – etwa Ulrich Sauer (Iserlohn), der mit seinem BMW 328 von 1938 der treueste Teilnehmer der Veranstaltung ist. Er ist der einzige Pilot, der seit der ersten Auflage keine einzige Ausgabe des AvD-Oldtimer-Grand-Prix verpasste – was ihm selbstverständlich die Startnummer #1 im Feld der Vintage Sports Car Trophy einträgt. Ein anderer Pilot der ersten Stunde ist Baron Kurt von Hammerstein (Nonnweiler), der in diesem Jahr in einem Rehberger-MG von 1931 fährt. Er dürfte mit seinen 87 Jahren auch der älteste Rennfahrer des gesamten Wochenendes sein. Der britische Sportwagen mit knapp 0,9 Litern Hubraum ist aber nur ausgeliehen: „Es ist das erste Mal, dsas ich hier einen MG fahre, ich bin schon sehr gespannt. Im kommenden Jahr hoffe ich dann, mit einem Opel von 1927 an den Start gehen zu können. Der steht im Moment noch in der Werkstatt und ist genau das Fahrzeug, mit dem ich am ersten AvD-Oldtimer-Grand-Prix teilgenommen habe.“ Das Rüsselsheimer Fabrikat wäre damit auch etwas ganz besonderes, denn „ich habe ihn aus erster Hand – von meiner Patentante“, berichtet von Hammerstein. Den Motorsport entdeckte er schon früh für sich, wenn auch die Arbeit im eigenen Forstbetrieb nie genügend Zeit ließ für ganz große Einsätze. Über Rallyes in historischen Fahrzeugen fand er den Weg auf die Rundstrecke. „Aber das war damals zunächst einmal unglaublich schwierig zu verwirklichen“, erinnert sich der sportliche Baron. „Wir haben es dann nicht zuletzt mit Unterstützung des ehemaligen Mercedes-Rennleiters Alfred Neubauer geschafft, dieses erste Rennen für historische Sport- und Rennwagen zu organisieren, aus dem dann der AvD-Oldtimer-Grand-Prix hervorging.“ Auch der Club historischer Renn- und Sportfahrzeuge (CHRSN), der das Event heute gemeinsam mit dem AvD, Histomobil und dem HMSC in einer Veranstaltergemeinschaft trägt, wurde übrigens in diesen frühen Tagen gegründet.

© Gruppe C / AvD

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