Ein Maserati 250F mit außergewöhnlicher Historie ...

An einem Rennwochenende voller außergewöhnlicher Rennwagen erzählt wohl jedes Fahrzeug eine eigene Geschichte. Manche Modelle stehen allerdings für mehr – das ist etwa beim Maserati 250F der Fall, der im Rennen der Grand-Prix-Wagen bis 1960 gleich mehrfach vertreten ist. Denn das Modell an sich ist eng mit der Historie des Nürburgrings verbunden und feiert ein besonderes Jubiläum. Im Geschichtsbuch der Eifelrenn¬strecke, die in diesem Jahr ihren 90. Geburtstag feiert, spielt der 250F in einem Kapitel die Hauptrolle: Es ist die Saga vom Weltmeistertitel Juan Manuel Fangios im Jahr 1957, die in diesem Jahr 60 Jahre vergangen ist. Und mancher Maserati entpuppt sich dazu noch als Quelle für Geschichten, die so bunt wie das Leben sind ...

Es war der Große Preis von Deutschland 1957, der den 250F am Nürburgring unsterblich machte – er ist fast auf den Tag 60 Jahre her. Noch heute zeugt ein Denkmal von Juan-Manuel Fangio an der Einfahrt zum Historischen Fahrerlager davon, was an diesem Tag geschah. Maserati-Werkspilot Fangio hatte beim sechsten WM-Lauf der Saison, der an diesem 4. August anstand, die Chance zur vorzeitigen Titelverteidigung. Maserati setzte vier Werksautos ein, und Fangio wurde – nach zwei Grand-Prix-Siegen in der Eifel in den Vorjahren – als einer der Topfavoriten gehandelt. Und folgerichtig holte er auf der damals 22,18 km langen Kombination aus Nord- und Start-Ziel-Schleife die Pole, drei Sekunden vor Hawthorn im Ferrari. Als er zur Rennhalbzeit seinen geplanten Boxenstopp einlegte, lag er in Führung. Doch der Stopp lief nicht nach Plan. Es gab Probleme mit dem Radwechsel, Fangio verlor auf die beiden führenden Ferraris 48 Sekunden. Der so in Rückstand Geratene konnte aber dank brillanter Taktik das Rennen dennoch drehen, fuhr insgesamt neun Rekordrunden in Folge, bei denen er den bestehenden Rundenrekord um 23 Sekunden unterbot. In einem spektakulären Fight konnte er schließlich zunächst Collins, dann Hawthorn überholen und ging schließlich als Sieger durchs Ziel. Mit dem Sieg – es war Fangios 24. und letzter – holte er den Weltmeistertitel. Auch für den 250F war es der letzte Grand-Prix-Sieg: Fangio und Maserati 250F, das ist seit diesem Tag in der Eifel eine Kombination, die man mit Ehrfurcht aussprechen darf.

Monaco ’58: Ein Publikumsliebling in weiß-rot
Fangios 250F selbst ist an diesem Wochenende zwar nicht beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix am Start, dafür aber eine ganze Reihe von wahrhaft würdigen Vertretern. Denn wie so typisch bei historischen Rennwagen, haben eben auch diese Maserati ihre eigene Historie, die Wert ist, erzählt zu werden. Eine sehr bunte kann das Fahrzeug mit der Chassis-Nr. 2521 erzählen. Davon zeugt schon die für Maserati typische Farbgebung. Martin Halusa (Österreich) fährt ihn und berichtet: „Mein 250F stammt von 1956. Er wurde vom Werk zunächst für Jean Behra eingesetzt, der damit sehr erfolgreich fuhr – natürlich in der Teamfarbe rot lackiert. Ein Jahr später wurde er dann von Jean Testout gefahren.“ Zum Ende der Saison veräußerte das Werk ihn an ein Privatteam und so landete das Auto schließlich beim Team Monte Carlo Auto Sport. „1958 wurde der Maserati dann beim GP Monaco von Lokalmathador Louis Chiron gefahren und für diesen Zweck in die Farben des Fürstentums umlackiert – weiß und rot.“ Der vom lokalen Publikum vielbejubelte Einsatz verlief zwar wenig erfolgreich, gab dem Auto aber seine heutige, außergewöhnliche Farbgebung.

„Ein Engel auf Erden“: Belmondo auf dem Weg zum Flughafen in Nizza ...
Aber noch eine zweite, etwas kuriosere, Geschichte ist mit diesem 250F verbunden. „Das Fahrzeug spielte eine Hauptrolle im Film ’Ein Engel auf Erden’ mit Romy Schneider und Jean-Paul Belomondo“, berichtet Halusa. „Der Rahmen für die Handlung ist der Grand Prix von Monaco und Belmondo spielt einen Rennmechaniker, der sich in die Schneider verliebt.“ Die Story findet sein Finale in einem grandios-kuriosen Showdown, berichtet der heutige Fahrzeugeigner. „Es endet damit, dass Belmondo mit dem 250F von Monaco nach Nizza zum Flughafen fährt, und Romy Schneider hinten auf dem Buckel sitzt. So ist das Auto quasi vom Hintern von Romy Schneider geadelt worden.“

Ein Auto, gebaut um Rennen zu fahren
Doch kuriose Historie als Motorsport- und Filmstar hin oder her – es handelt sich um ein ehemals Grand-Prix-Fahrzeug, das vom Werk sehr erfolgreich eingesetzt wurde und über die Gene eines Racers verfügt. „Der 250F ist in dreierlei Hinsicht ein besonderer Rennwagen“, beschreibt es Halusa. „Zum einen ist die Sitzposition außergewöhnlich, denn der Fahrer sitzt breitbeinig da, weil in der Mitte die Kardanwelle läuft – links die Kupplung, rechts Bremse und Gas. Dann das riesige Lenkrad. Denn natürlich hat das Auto keine Servolenkung. Und: Er ist sehr einfach zu fahren. Mit seinem 2,5-Liter-Motor hat er mächtig viel Leistung und ist dabei recht leichtgewichtig. Darüber hinaus hat er ein unglaubliches Drehmoment – man könnte im Prinzip die ganze Grand-Prix-Strecke im dritten Gang fahren. Und noch dazu hat er eine tolle Straßenlage. Es ist ein Auto, gebaut um Rennen zu fahren. Außerdem: er ist bildschön – einer der letzten Vertreter der großen Ära der Frontmotorautos.“

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