Ein halbes Jahrhundert Rennsportgeschichte

Die „Vorkriegs-Rennwagen“ haben beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix einen besonderen Status. Nicht nur, dass die Kompressor-Mercedes, Invictas, Bentley & Co. im eigenen Fahrerlager – nämlich dem traditionsreichen historischen Paddock – untergebracht sind und damit ihren historisch angestammten Ehrenplatz einnehmen. Keine andere Wertung an diesem Wochenende umfasst auch eine so große Zeitspanne. Das Starterfeld reicht von den Rennwagen der „Messing-Ära“ bis in die unmittelbare Nachkriegszeit in den 50er Jahren. Fast ein halbes Jahrhundert Rennsportgeschichte trennt nämlich das Brasier Voiture de Cours von 1908 als ältestem Teilnehmerfahrzeug des diesjährigen AvD-Oldtimer-Grand-Prix und die Healey Silverstone aus den frühen 50ern, von denen sich eine ganze Gruppe am Nürburgring versammelt. Alle zusammen bilden ein Kaleidoskop der Motorsport- und Automobilhistorie und schaffen dabei gleichzeitig den Balanceakt zwischen historischer Authentizität und den Erfordernissen des Einsatzes im Straßenverkehr und auf der Rennstrecke.

Die Urväter aller Rennwagen auf dem Nürburgring sind an diesem Wochenende im historischen Fahrerlager zu finden. Es sind Fahrzeuge, die noch vor dem ersten Weltkrieg für den Wettbewerb gebaut wurden, und deren Technik die Anfänge der automobilen Entwicklung kennzeichnet: Kettenantrieb, Trommelbremsen lediglich auf der Hinterachse, keine Spur von Sicherheitsgurt oder Überrollbügel: Es waren die Zeiten für tollkühne Männer. Das gut zu verarbeitende Messing wurde für viele Teile eingesetzt und verlieh der Ära den Namen: Messing-Autos heißen sie im Volksmund – und doch handelt es sich um waschechte Rennwagen. „Es sind natürlich Raritäten, die häufig allenfalls noch im Museum zu sehen sind, schildert Erich Hoop (Lichtenstein). Er fährt gemeinsam mit Siggi Jenson den Brasier von 1908, der eine kleine und exquisite Gruppe von über 100 Jahre alten Rennwagen anführt. „Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, diese Fahrzeuge wieder alltagstauglich zu machen – und das möglichst im Originalzustand“, schreibt er. Dass den betagten Rennwagen ihr Alter dabei durchaus anzusehen ist, gehört für Hoop dazu: „Diese Fahrzeuge dürfen, genau wie wir Fahrer, Patina haben. Technisch müssen sie einwandfrei sein, aber optisch dürfen sie durchaus zeigen, dass sie in Würde gealtert sind.“ Der Fahrspaß kommt dabei nicht zu kurz: „Es ist überraschend, wie gutmütig diese Autos sind. Aber man fährt sie mit allen Sinnen. Man hört auf die Geräuche, achtet auf die Schaltkulisse, man fährt viel vorausschauender, weil die Bremsen recht klein dimensioniert sind. Vom Fahrspaß her muss ich aber sagen: Diese Autos machen mir mindestens ebenso viel Spaß wie moderne Fahrzeuge. Wenn ich 60 fahre, dann ist das gefühlt Tempo 100. Und wenn das Auto auf 100 km/h beschleunigt, dann fühlt es sich an wie 200. Der Thrill unterscheidet sich nicht.“

Nürburgring-Flair und Rennatmosphäre
Auch sonst bietet das Starterfeld viele Höhepunkte: Angeführt vom Siegerfahrzeug des Nürburgring-Eröffnungsrennens – ein Mercedes-Benz 680 S Rennsport – geht eine beeindruckende Gruppe der mächtigen Kompressor-Mercedes auf die Strecke. Mit Invicta, Rosengart, Alvis, Delage und anderen längst vergessenen Marken wird eine echte Zeitreise in die Automobil- und Rennsporthistorie möglich. Und auch die Urväter der großen Automobilmarken von heute sind selbstverständlich am Start: Aston-Martin-, Bentley- und Bugatti-Modelle aus den 20er und 30ern ebenso, wie BMW und eben Mercedes-Benz: Ein tolles Starterfeld mit über 60 Teilnehmern. Für sie wurde das Historische Fahrerlager liebevoll hergerichtet, wo sich die Fahrzeuge in diesem Jahr noch besser und imposanter den Besuchern präsentieren. Viele Fahrzeuge starten dabei in der vom Allgemeinen Schnauferl Club (ASC) ausgerichteten „ASC Trophy“, die für Fahrzeuge reserviert ist, deren große Originalität mit einem FIVA-Wagenpass nachgewiesen ist. Wolfgang Schulz (CHRSN) und Charly Willems (ASC) haben das Meeting der Vorkriegswagen auch in diesem Jahre weiterentwickelt und freuen sich über die immer imposanter werdende Teilnehmerliste. „Im Grunde genommen ist es jedes Fahrzeug hier wert, besonders hervorgehoben zu werden“, beschreibt Willems. „Wir freuen uns natürlich über den enormen Zuspruch.“ Der Nürburgring scheint dabei eine besondere Anziehungskraft zu haben. Willems: „Das Teilnehmerfeld wächst auch qualitativ von Jahr zu Jahr. Wir haben diesmal zum ersten Mal auch nennenswerte Gruppen aus dem Ausland, so etwa Freunde aus Großbritannien, Frankreich, der Schweiz, Italien und Österreich. Und sie sind alle begeistert von der Atmosphäre hier. Deshalb sind wir optimistisch, dass sich das Event noch weiter herumspricht.“ Nicht nur auf Optik und Ambiente legen die Organisatoren viel wert, auch auf die Stimmung – und dazu gehört auch der Eifelcharme bei der Begrüßung am ersten Abend: „Die Teilnehmer haben sich gefreut, dass wir hier nicht mit Champagner und Canapées aufwarten, sondern mit einer anständigen Rennwurst und Bier vom Fass“, berichtet Willems lachend.

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