Derek Bell: „Meine Freude überträgt sich auf die Zuschauer“

Wenn Derek Bell im Zelt von Porsche Classic auftaucht, dann ist er stets umlagert – der fünffache Gewinner der 24 Stunden von Le Mans (1975, 1981, 1982, 1986, 1987) und zweifache Sportwagen-Weltmeister (1985 und 1986) gehört zu den prominentesten Startern beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix. Moment mal: Starter? Der Brite war in den vergangenen Jahren eigentlich nur als Interviewpartner und heiß begehrter Autogrammgeber am Nürburgring. In diesem Jahr allerdings feiert er seine Fahrerpremiere und wird zum ersten Mal beim größten deutschen Klassikrennen selbst ins Volant greifen. Im Feld der Gentlemen Drivers pilotiert er anlässlich des 70. Geburtstags von Porsche einen „Projekt 70“-Porsche 911 – natürlich mit der Startnummer #70. Im Interview verrät er: Er stellt an diesem Wochenende erstmals in Deutschland sein Buch vor: „All My Porsche Races“ berichtet von einer außerordentlich erfolgreichen Periode im Rennfahrerleben des 1941 geborenen Briten.

???: Sie waren schon häufig hier zu Gast, aber an diesem Wochenende sind Sie dennoch gewissermaßen Neuling und fahren zum ersten Mal selbst beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix.
Derek Bell:
„Ja, das stimmt. Ich glaube ich feiere sogar gleich mehrfach Premiere. Natürlich war ich schon oft mit Porsche Classic hier am Nürburgring, aber gefahren bin ich tatsächlich noch nie. Ich werde einen 1965er Porsche 911 steuern, den ich bislang auch noch nie im Rennen bewegt habe. Bislang hatte ich lediglich die Gelegenheit, ihn in einer Parade zu fahren – und das ist schon länger her.“

???: Der „Project 70“-Porsche ist ein Auto, das vom Werk mit großer Liebe zum Detail aufgebaut wurde. Ist man da nicht auch als Profi mal nervös, ein so besondere Autos zu fahren?
Derek Bell: „Nein. Darüber darf man nicht nachdenken. Ich habe die große Freude, viele unglaublich kostbare Autos zu steuern. Vor einigen Wochen konnte ich zum Beispiel einen Blower-Bentley von 1929 bei einem Klassikrennen fahren. Es war ein Auto mit großer Historie, das seinerzeit in Le Mans den sechsten Platz geholt hatte. Und ich fuhr ihn wirklich schnell. Aber ich denke dabei auch immer: Das wertvollste an Bord bin ja ich – und wenn ich mich nicht verletzen möchte, warum sollte das Auto dann zu Schaden kommen."

???: Es muss ein Vergnügen sein, diese alten Autos zu fahren. Was das Besondere daran?
Derek Bell:
„Ich fahre seit 1964 Rennen – also seit fünfeinhalb Jahrzehnten. Damals waren die Rennwagen noch weitaus einfacher. Alte Rennwagen zu fahren ist deshalb letztlich nicht viel anders, als eines meiner frühen Rennfahrzeuge – auch wenn ich damals natürlich noch keinen Porsche gefahren bin. Technisch gesagt ist die Antwort deshalb: ein Auto ist ein Auto. Aber es gibt noch einen zweiten Aspekt. Wegen meiner Historie und meines schieren Alters habe ich damals wie heute eine ganze Menge klassischer Fahrzeuge bewegt. Ich empfinde es als Privileg, das zu dürfen. Auch der Eigner des Autos – ob es Porsche selbst ist oder ein Privatmann – freut sich in der Regel darüber, dass ich das Auto fahre. Und das Publikum hat seinen Spaß: Zum einen, weil es das Auto in Bewegung erleben kann. Aber auch wegen der gegenseitigen Wertschätzung von Fahrer und Eigner, die dahinter steckt. Und natürlich daran, dass es von einem Fahrer bewegt wird, der es womöglich in der passenden Ära ebenfalls bewegt hat. Das ist vielleicht das Rezept für eine Veranstaltung wie den AvD-Oldtimer-Grand-Prix: dass Fahrer, Fahrzeugeigner und auch die Besucher Freude an derartigen Aspekten haben. Das Wichtigste ist wohl, dass es mir selbst Spaß macht. Es ist wirklich ein Genuss, solch ein Auto zu fahren. Und ich denke, diese Freude überträgt sich letztlich auch auf die Zuschauer. An diesem Wochenende mag es auf den ersten Blick ein „einfacher“ 911er sein – aber dahinter steht ja eine große Historie, die mit transportiert wird.“

???: Sie stellen hier am Nürburgring zum ersten Mal ein Buch vor, dass gerade frisch erschienen ist. Wovon handelt es?
Derek Bell: „Vor gut sechs Wochen haben wir das Buch "All My Porsche Races" in England veröffentlicht, und ich freue mich sehr darüber, dass es sehr gut ankommt. Wir diskutieren jetzt bereits über eine Neuauflage. Also scheint es ganz gut zu sein. 202 Rennen bin ich mit Porsche gefahren, 37 davon konnte ich in meiner Zeit in der Gruppe C gewinnen.“

© Gruppe C / AvD

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